vom 2.4.2014
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) vergibt die Auszeichnung:

Dokumentarfilm, Prädikat besonders wertvoll

Wie lebt es sich als Blinder, der niemals die Erfahrung des Sehens machen durfte? Als Mensch, der ohne Sehvermögen auf die Welt kam? Und wie stellen sich diese Menschen Dinge vor? Die Filmemacherin Eibe Maleen Krebs stellt in ihrem Film VOM HÖREN SAGEN zehn geburtsblinde Menschen vor und lässt den Zuschauer teilhaben an ihren Gedanken, ihren Wünschen und Erfahrungen. Filmisch geht Krebs dabei sehr geschickt vor, lässt die Interviewten zunächst im Halbschatten, offenbart erst nach und nach ihr Gesicht. Auf einer weiteren Ebene gibt der Film ihnen dann die Chance, in selbstgewählte Rollen und Kostüme zu schlüpfen. Wie möchten sie gesehen werden? Als Raumschiffpilot, als Dirigent, als Prinzessin in einem wunderschönen Kleid?

Krebs und ihr Team inszenieren die Protagonisten in Szenarien, die diese selbst in ihrer Imagination kreiert haben. Der Zuschauer erhält so einen Einblick in ihr Innenleben. Es geht nicht um das Sehen, es geht um das Wahrnehmen. In offenen und ehrlichen Gesprächen geben die Befragten zu, dass sie sich manchmal mehr Verständnis für ihre Situation wünschen. Filme wie VOM HÖREN SAGEN können dieses Verständnis schaffen. Denn nachvollziehen können wir Sehende die Welt der Geburtsblinden zwar nicht. Aber wir können versuchen, ihre Welt der Gefühle, Empfindungen und Gedanken als ebenso bunt, schillernd und glitzernd zu sehen wie unsere Welt des Sehens.

Ein filmisches Experiment, das sich seinen Protagonisten auf sensible Weise nähert und jedem Betrachter in vielerlei Hinsicht die Augen öffnet.