Ein Kind wird durch einen Supermarkt geschoben. Die Kamera filmt den Hinterkopf des Jungen, während die Waren an ihm vorbeiziehen. Dies ist eine der Eingangszenen von Eibe Maleen Krebs‘ Film VOM HÖREN SAGEN. Zehn von Geburt an blinde Menschen beschreiben ihre Vorstellungen von Licht und Farbe oder davon, wie es sein muss, ein Auto zu lenken und wie sie träumen.

Der Film ist größtenteils in Schwarz-Weiß gefilmt und liefert neue Perspektiven unserer Sehgewohnheiten. Auf diese Weise wird der Fokus weniger auf die Originalität des Blindseins als auf die Originalität von Wahrnehmung gerichtet. Im Laufe des Filmes wird die Frage größer, was überhaupt die Echtheit der Bilder der Sehenden verbürgt.

Den Darstellern wird Gelegenheit gegeben, ihre Träume zu visualisieren und sich selbst zu inszenieren. Eibe Maleen Krebs setzt diese Wünsche um und gibt ihnen den Raum, in dem sie etwa ein Orchester dirigieren, ein Raumschiff lenken oder barfuß auf einer grünen Wiese dem Lied einer Geigenspielerin lauschen können. Während des 65-minütigen Films wird deutlich, dass das Vorhaben, zwischen der blinden und der sehenden Welt eine Verbindung zu schaffen, auf beiden Seiten die Bereitschaft voraussetzt, die gewohnten Bahnen der eigenen Vorstellungskraft zu verlassen.

A child is pushed through a supermarket, sitting in a shopping cart. The camera films the back of the boy’s head while passing the products. This is one of the opening scenes of the film VOM HÖRENSAGEN/HEARSAY by Eibe Maleen Krebs. Ten people, blind from birth, describe how they imagine light and color, how they dream or what they picture it must feel like to steer a car.

The film is mostly shot in black and white and provides us with new perspectives of our own viewing habits. This way, the focus is aimed at the originality of perception, rather than the originality of being blind. During the film, the question arises what the reality of the images of those who see even authenticates.

The cast has the opportunity to visualize their dreams and to stage themselves. Eibe Maleen Krebs transforms these wishes and gives them the space to, for example, conduct an orchestra, steer a spaceship or walk across a green meadow, barefoot, while listening to the music of a violin player. During this 65-minute-long film one thing becomes very apparent about the plan to create a connection between the worlds of the blind and of the sighted – it requires the readiness of both sides to leave behind the familiar realms of imagination.